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Test: Apple Aperture 3

Eine kleine Ewigkeit mussten Apple-Anwender auf die nächste Version von Aperture warten. Doch es hat sich gelohnt: Version 3 übernimmt die besten Eigenschaften von iPhoto und schliesst gleichzeitig zu Adobe Lightroom auf.
blue_quad von Klaus Zellweger (19.02.2010)
Lange zwei Jahre ist es her, seit Apple die professionelle Bildverwaltung Aperture 2 vorstellte. Mit der generalüberholten Version 3 wird jedoch offensichtlich, dass diese Zeit gut genutzt wurde; sie holt sowohl die unbeschwerten, aber anspruchsvollen Hobbyknipser ab als auch die Profis, die unterdessen mit Adobes Lightroom liebäugeln.
Widmen wir uns zuerst der Spassfraktion. Aperture wildert vermehrt im Revier von iPhoto – davon legen die beiden neuen Funktionen «Faces» und «Places» Zeugnis ab, die beide vom kleinen Bruder ausgeborgt wurden.
Faces
«Faces» nennt sich die automatische Gesichtserkennung. Sie analysiert Fotos, fragt nach dem Namen der Personen und versucht anschliessend, andere Fotos mit demselben Gesicht zu finden. Das klappt in vielleicht 90 Prozent aller Fälle nicht schlecht, doch häufig muss auch nachgebessert werden. Ironischerweise funktioniert «Faces» am besten bei professionellen Fotoshootings, bei denen die Gesichter meistens deutlich zu erkennen sind. Bei den privaten Fotos reicht hingegen die Scherzbrille vom Fasnachtskostüm, damit der Junior als Papi erkannt wird – was dem Ego nicht immer zuträglich ist.
Places
Die zweite Leihgabe aus iPhoto nennt sich «Places» und sorgt dafür, dass Reisen spektakulär in Szene gesetzt werden. Dabei werden die GPS-Koordinaten eines Fotos verwendet, um den genauen Aufnahmeort auf der Karte anzuzeigen. Allerdings sind heute nur wenige Kameras mit einem GPS-Empfänger ausgerüstet. (Zu den wenigen Ausnahmen zählt zum Beispiel die Nikon Coolpix P6000.) Deshalb bietet Aperture 3 die Möglichkeit, die Koordinaten aus externen GPS-Trackern zu übernehmen und den passenden Fotos zuzuordnen.
Die Darstellung der Aufnahmeorte zeigt sich von der besten Seite, indem Kartenmaterial von Google übernommen wird. Neben der Anzeige als «Karte» oder als «Satellitenaufnahme» steht auch die Variante «Gelände» zur Verfügung, die eine plastische Darstellung der Höhenunterschiede zeigt. Mit «Reverse Geocoding» erhält man ausserdem Informationen, nach denen man vorher nicht einmal zu fragen wagte: In einer hierarchischen Struktur zeigt Aperture, in welchen Ländern, Kantonen oder Orten eine Bildersammlung geschossen wurde.
Jedes GPS-codierte Foto zeigt auch seine «Geografische Hierarchie»
Jedes GPS-codierte Foto zeigt auch seine «Geografische Hierarchie»
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Bildverbesserungen
Aperture 3 bietet eine ganze Reihe neuer Werkzeuge, um Bilder zu optimieren. Genau wie bei den Vorgängern werden alle Änderungen nur an einer virtuellen Kopie angewendet – das Original bleibt in jedem Fall unverändert. Das erlaubt hemmungslose Experimente im Wissen, dass alle Einstellungen jederzeit rückgängig gemacht werden können.
Zu den Neuerungen gehört die Möglichkeit, den Helligkeitsumfang und den Kontrast über Gradiationskurven zu ändern. Ausserdem lassen sich beliebige Einstellungen speichern und auf Mausklick anwenden. Je nach Motiv (Landschaft, Hochzeit, Studio etc.) lassen sich pauschale Änderungen innerhalb von Sekunden anwenden.
Der neue «Schnell-Pinsel-Pinsel»
Die wichtigste Neuerung von Aperture 3 hört auf den völlig missglückten Namen «Quick-Brush-Pinsel» – er allein rechtfertigt das Upgrade. Bei dieser Einrichtung werden Bildkorrekturen wie Helligkeit, Kontrast, Bildstörungen, Hautglättung etc. wie mit einem weichen Pinsel aufgetragen. Aperture generiert dabei eine Maske, auf Wunsch sogar mit automatischer Kantenerkennung. Die Intensität der Korrektur lässt sich jederzeit verändern oder löschen, da auch diese Änderungen nur virtuell, aber nicht am Originalbild vorgenommen werden.
Dank dieses Pinsels lassen sich in Rekordzeit Schatten aufhellen, Kontraste partiell verstärken oder Porträts weichzeichnen. Mehr noch: Ein Bild lässt sich zum Beispiel mit verschiedenen Helligkeitseinstellungen überarbeiten, indem einfach mehrere Pinselebenen aufgetragen werden. So erhält jeder Bildteil die Behandlung, die er verdient. Der Pinsel funktioniert so intuitiv, dass es sich anfühlt, als hätte man das selbe Motiv noch einmal unter besseren Bedingungen fotografiert. Korrekturen, die in einer externen Software wie Photoshop eine halbe Stunde dauern, werden jetzt direkt in Aperture innerhalb von Minuten erledigt – ohne dass das Original angetastet wird.
Zweite Chance: partielle Aufhellung mit dem «Quick-Brush-Pinsel»
Zweite Chance: partielle Aufhellung mit dem «Quick-Brush-Pinsel»
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Allerdings soll auch erwähnt werden, dass dieser Pinsel keine Erfindung von Apple ist, im Gegenteil: Adobe führte ihn bereits mit dem Konkurrenzprodukt Photoshop Lightroom 2 ein. Hätte Apple nicht nachgezogen, wäre Aperture für viele Profifotografen keine ernsthafte Alternative mehr gewesen. Ausserdem wurde das Konzept nur unvollständig kopiert. Während Lightroom verwandte Änderungen wie Belichtung, Helligkeit, Kontrast etc. auf dieselbe Maske anwenden kann, muss jede Einstellung bei Aperture separat aufgetragen werden.
Die neue Diashow
Die Funktion «Diashow» klingt wie eine Untertreibung, denn sie leistet einiges mehr, als man erwarten würde. Bilder lassen sich neu auf einer Zeitleiste anordnen, mit Effekten ergänzen und mit Musik unterlegen. Sogar die Integration von Filmen ist möglich, wobei die Tonspur auch separat importiert werden kann. Die Dias werden entweder der Reihe nach abgespielt oder in eine hübsche, animierte Vorlage verpackt – nur der persönliche Geschmack entscheidet. Einige dezente Themen betonen die Ernsthaftigkeit eines Profifotografen, andere eignen sich auch für die Darstellung von Familienausflügen. Die fertige Diashow lässt sich innerhalb von Aperture abspielen oder als Film exportieren, wobei verschiedene Auflösungen bis hin zu Full HD (1080p) möglich sind.
Die Diashow integriert Filme und exportiert in Full-HD
Die Diashow integriert Filme und exportiert in Full-HD
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Fotobücher
Auch bei den Fotobüchern hat sich einiges getan. Apple selbst bietet neue, grössere Formate an. Zusätzlich erhalten auch ausgewählte Drittanbieter die Möglichkeit, ihre Bücher anzubieten, inklusive eigener Layouts. Allerdings wird hier vor allem der Premium-Bereich abgedeckt, und auch die Bestellung ist nicht so einfach. Einige Anbieter arbeiten nur mit ausgewiesenen Fotografen, ein anderer liefert nicht in die Schweiz, und ausserdem muss man sich mit jedem Bestellservice zuerst auseinandersetzen und das passende Plug-In herunterladen. So werden viele Anwender gerne bei Apples eigenem Service bleiben, der in der Zwischenzeit auch qualitativ grosse Fortschritte gemacht hat.
Die Fotobücher gibt es neu auch in «extragross»
Die Fotobücher gibt es neu auch in «extragross»
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Verbesserte Bibliotheksverwaltung
Zum Schluss darf die stark verbesserte Bibliotheksverwaltung nicht vergessen werden. Aperture 3 kann bequem über ein Menü zwischen verschiedenen Bibliotheken wechseln, wobei dank Spotlight automatisch alle Sammlungen in Reichweite gefunden werden. Aus einer bestehenden Bibliothek lassen sich beliebige Projekte samt Bücher, Diashows und mehr in eine neue Bibliothek extrahieren. Der Austausch funktioniert auch in die andere Richtung: Einzelne Bibliotheken, die zum Beispiel unterwegs bei einem Shooting gefüllt wurden, lassen sich zuhause mit Drag&Drop zur bestehenden Hauptbibliothek hinzufügen.
Apertures Zielgruppen
Das waren nur die wichtigsten von über 200 Neuerungen. Aperture besticht auf der einen Seite durch die professionellen Verwaltungs- und Korrekturfunktionen. Andererseits sucht es sich seine Käufer auch bei den Hobbyfotografen, die iPhoto entwachsen sind. Geblieben ist die unerreichte Einbettung in die Strukturen von Mac OS X: Die Aperture-Bibliothek lässt sich in jeder Anwendung direkt über den Mediabrowser des Systems nutzen, und auch die Synchronisierung mit dem iPhone funktioniert auf Knopfdruck.
Demo-Version
Unter dieser Adresse kann eine 30-tägige Demoversion heruntergeladen werden. Mit ihr lässt sich eine neue Bibliothek anlegen und beliebig füllen. Die Demo greift hingegen nicht auf eine bestehende Bibliothek zurück, und das hat seinen guten Grund: Beim ersten Start wird eine Aperture-2-Bibliothek in ein neues Format konvertiert, die von der alten Version nicht mehr gelesen werden kann.
Fazit: Aperture 3 ist ein umfangreiches, aber auch dringend notwendiges Upgrade. «Faces», «Places», der neue Korrekturpinsel und die neue Bibliotheksverwaltung sorgen dafür, dass alle Anwender auf ihre Kosten kommen. Mit dieser Leistung und zu diesem Preis geht Aperture 3 als echtes Schnäppchen durch.

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PRODUKTINFOS

Apple Aperture 3

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ProSystemintegration, Korrekturpinsel, Bibliotheksverwaltung, Diashow
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ContraImmer nur eine Einstellung pro Pinselebene möglich
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Details: Für Mac OS X 10.5.8 oder neuer, nur für Intel-Prozessoren
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Empfohlener Verkaufspreis: Fr. 249.– (Upgrade: Fr. 129.–)
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