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Übersetzungspfusch an der Jobs-Biografie

Die deutsche Übersetzung von Steve Jobs Biografie wurde so lieblos auf den Markt geklatscht, dass sich jetzt sogar der Dachverband der Dolmetscher und Übersetzer zu Wort meldet.
blue_quad von Klaus Zellweger (23.01.2012)
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Ein Verlag muss das Eisen schmieden, solange es noch heiss ist. Das gilt besonders bei Biografien und erst recht bei den seltenen Biografien interessanter Personen. Deshalb erschien die Übersetzung des Buches «Steve Jobs: A Biography» von Walter Isaacson nur einen Wimpernschlag später als die US-Fassung – und das bei einem Umfang von immerhin 656 Seiten. Nicht weniger als sechs Übersetzer und viele Überstunden machten diesen Kraftakt möglich.
Allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung so gepfuscht, dass sich jetzt der deutsche «Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)» zu einer Stellungnahme genötigt sieht. Schachtelsätze, unklare Satzstellungen und Fehler bei den Satzzeichen prägen die deutsche Ausgabe.
Die Profis vom DBÜ monieren so peinliche Fehler wie zum Beispiel die Übersetzung von «Silicone» zu «Silikon»; richtig wäre aber «Silizium», denn das Silicone Valley gilt ja als das Epizentrum der Halbleiter-Industrie, und weniger als Mekka der Schönheitskliniken und Busenfreunde. Laut Alexander Heyne, Pressesprecher des BDÜ, würde kein halbwegs versierter Übersetzer über solche «falschen Freunde» stolpern – also über Begriffe, die dem Deutschen sehr ähnlich sind, aber etwas ganz anderes bedeuten.
Der BDÜ zitiert weiter aus der Übersetzung: «Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht.» Im Original lautet die Passage: «One time we set off an explosive under the chair of our teacher, Mrs. Thurman. We gave her a nervous twitch.» In diesem Zusammenhang wäre «explosive» wohl besser mit «Knallkörper» übersetzt worden. Und unter «nervous twitch» versteht man nervöse Zuckungen – aber bestimmt kein traumatisches Erlebnis.
Solche und viele andere kleine Ungereimtheiten sind umso ärgerlicher, als dass es sich hier um einen echten Bestseller handelt. Allein die deutsche Startauflage war 250’000 Exemplare schwer. Immerhin: Die schlimmsten Missgeschicke sollen in der zweiten Auflage behoben worden sein.


  

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