Home  >  Multimedia-PC  >  Specials  > Artikel 1001717

spacer

XBMC - die Filmzentrale

Vergessen Sie das Windows Media Center: Die Gratis-Software XBMC spielt fast jedes Videoformat ab und ergänzt die Clips automatisch um Filminfos und Cover.
blue_quad von Klaus Zellweger (11.11.2009)
Digitale Musikstücke enthalten schon länger den Songtitel, eine Abbildung des Plattencovers sowie zahlreiche weitere Infos zu Interpreten, Komponisten und mehr. Diese Zusatzinformationen bilden das Sahnehäubchen bei der Wiedergabe am PC oder auf dem iPod und helfen, den gewünschten Titel schnell zu finden. Bei Videodateien sieht die Sache hingegen ganz anders aus: Fernsehserien aus dem Internet, selbst aufgezeichnete Spielfilme am PC oder konvertierte DVDs fristen ihr Dasein als schmucklose Dateien – ohne Hintergrundinformationen oder Coverbilder.

Mit dem kostenlosen Mediacenter XBMC ändert sich diese Situation zum Guten, und zwar dramatisch. Für die gespeicherten Spielfilme holt sich die clevere Software automatisch die passenden Cover und Filminfos aus dem Internet. TV-Serien werden selbstständig in Staffeln und Episoden zerlegt, ja sogar mit einer kurzen Beschreibung des Inhalts ergänzt. Und das Beste: Das Mediacenter verdaut fast alle Filmformate und Codecs, die ihm vorgesetzt werden: AVI? MPG? MKV? Movie? Ein DVD-Abbild oder gar ein VIDEO_TS-Ordner? All das spielt keine Rolle. Damit wird die mühsame Konvertierung von bestehendem Filmmaterial hinfällig.

Die Bedienung von XBMC ist sehr einfach; das erstmalige Einrichten hat aber seine Tücken. Im Folgenden erklärt Ihnen Digital Living alle wichtigen Einstellungen Schritt für Schritt, wobei der Schwerpunkt auf der Filmwiedergabe mit all ihren Facetten liegt.
vergrößen
vergrößen
Der erste Kontakt
Laden Sie die aktuelle Version von XBMC herunter. Installieren Sie die Software und übernehmen Sie die vorgeschlagenen Standardeinstellungen. Bei der Sprache können Sie die Auswahl auf «Deutsch» reduzieren. «Englisch» wird immer mitinstalliert.

Nach dem Start von XBMC wird sofort klar, dass sich die Macher beim Design richtig ins Zeug gelegt haben. Alles wirkt edel und gestylt. Die Bedienung erfolgt wahlweise über die Maus oder mit den Pfeiltasten. Die Enter-Taste ruft einen Befehl auf oder stösst tiefer in die Hierarchie der Menüs vor, während die Esc-Taste Schritt für Schritt aus dieser Hierarchie wieder herausführt. Wenn Sie sich verlaufen haben, drücken Sie einfach so oft Esc, bis Sie beim Startbildschirm ankommen.
Man spricht Deutsch
XBMC startet automatisch in Englisch. Um die Sprache umzustellen, klicken Sie auf Settings und danach auf Appearance. Führen Sie die Maus in der Seitenleiste auf Region. Das Fenster ändert seinen Inhalt, sodass Sie nun unter «Language» den Punkt German wählen können.
vergrößen
vergrößen
Bitte, ein wenig Musik
Von selbst geschieht in dem Mediacenter fast gar nichts. Wenn zum Beispiel Musik gespielt werden soll, muss in jedem Fall die Quelle definiert werden. Nicht einmal der Ordner «Eigene Musik» wird automatisch hinzugezogen. Klicken Sie im Hauptmenü auf Musik und anschliessend auf Quelle hinzufügen. Greifen Sie zum Punkt Suchen und wählen Sie das Verzeichnis aus, in dem sich Ihre Musikstücke befinden.
Aus dem Screenshot wird offensichtlich, dass sich XBMC längst nicht nur auf die Musik auf der eigenen Festplatte beschränkt (A), sondern auch Netzwerkverzeichnisse (B) und UPnP-Server (C) unterstützt. UPnP steht für Universal Plug and Play. Das ist ein Standard, mit dem Medienserver im Netzwerk automatisch erkannt werden.

Wählen Sie für eine Quelle so viele Verzeichnisse aus, wie Sie möchten. Danach erscheint sie in der Auflistung. Ein Doppelklick darauf zeigt die ganze Musiksammlung an. Sie können diese mit der Schaltfläche Ansicht am linken Fensterrand anpassen. Bei XBMC spielt übrigens auch die Leerschlagtaste eine grosse Rolle. Wird sie gedrückt, erscheinen die Steuerelemente für die Musikwiedergabe (unterer Screen). Wechseln Sie zurück zum Hauptmenü, stoppen Sie mit der Leerschlagtaste die Wiedergabe. Für die Wiedergabe von Musik benötigt man aber nicht zwingend ein Mediacenter; Programme wie iTunes erledigen diesen Job sogar besser. XBMC glänzt besonders bei Videos.
Videos in allen Varianten
Das Mediacenter XBMC schluckt nahezu alles, was mit Videos zu tun hat. Verarbeitet werden:

Einzelne Filmdateien: Das Spektrum reicht vom 10-Sekunden-Film auf dem Mobiltelefon bis zum 15 GB grossen Full-HD-Streifen.
Image-Dateien von DVDs: Diese enthalten das genaue Abbild einer Film-DVD. Man kann ein solches Image auf eine DVD brennen oder wie eine Filmdatei in XBMC abspielen – inklusive Menüs, Trailer und was sonst noch so drauf ist.
VIDEO_TS-Ordner: Jede Film-DVD enthält einen Ordner mit der Bezeichnung VIDEO_TS, in dem sich der Film, die Sprachen und die Menüs befinden. Also das, was im DVD-Image steckt.

TV-Serien: Eine Sammlung von Filmdateien, die jedoch als Serie erkannt und automatisch nach Staffeln und Episoden unterteilt werden.
Der Clou bei XBMC besteht nicht nur in seiner Flexibilität bei der Wiedergabe, sondern darin, dass jede Menge Zusatzelemente und Filminformationen aus dem Internet geladen werden. Wenn es der Film nur knapp ins Kino geschafft hat, ergänzt ihn das Mediacenter automatisch um den Titel, das Cover und weitere Infos. Noch raffinierter werden Serien behandelt: Zu jeder Folge lassen sich Miniabbildungen, Informationen zur Handlung und mehr laden.
Die entsprechende Funktion hört auf den Namen «Scraper» und arbeitet im Hintergrund. Sie orientiert sich einzig und allein an den Namen der Dateien und Ordner. Sie verwendet diese, um Informationen von verschiedenen Webseiten zusammenzutragen. Damit das funktioniert, müssen je nach Filmtyp verschiedene Quellen in XBMC definiert werden. Dazu legen Sie auf der Harddisk mindestens drei Ordner an: einen für Videodateien (der auch mit DVD-Images funktioniert), einen für VIDEO_TS-Ordner und einen für Serien. Jeder wird nun mit anderen «Scraper»-Einstellungen belegt.
vergrößen
vergrößen
Filmdateien und DVD-Images
Ob es sich bei einer Datei um eine Filmdatei oder ein DVD-Image handelt, spielt für den «Scraper» keine Rolle. Es zählt nur die Beschriftung. Diese besteht aus dem Filmtitel und dem Jahr der Veröffentlichung in Klammern, etwa «X-Men 3 – Der letzte Widerstand (2006)». Am Schluss steht die Dateiendung. Sie dürfen Ihre Filme der Übersicht halber in Unterordner gruppieren.
Jetzt fehlen noch die passenden Einstellungen: Klicken Sie im Hauptmenü auf Video, danach auf Quelle hinzufügen und auf Suchen (oberer Screnshot, A). Gehen Sie zum Verzeichnis mit Ihren Filmdateien. Es erscheint unter (B). Greifen Sie danach zur Schaltfläche Inhalt festlegen (C).
Drücken Sie im nächsten Dialogfenster rechts oben auf die Pfeile, bis Sie in der Kategorie «Filme» sind (D). Wählen Sie die gewünschte Anlaufstelle im Internet (E). Filmstarts.de liefert deutsche Infos mit hochwertigen Filmcovers, auch wenn nicht immer alles gefunden wird. IMDB kennt praktisch jeden Streifen, umfasst aber nur englische Informationen. Probieren Sie die verschiedenen Seiten aus.

Wird ein Film nicht gefunden, geben Sie der Datei den Originaltitel: Aus «X-Men 3 – Der letzte Widerstand (2006)» wird «X-Men 3 – The Last Stand (2006)». Aktivieren Sie ausserdem die Option «Automatisierten Scan verwenden» F. Der «Scraper» scannt den Filmordner damit automatisch und holt sich die passenden Infos aus dem Web. Auch zu empfehlen ist «Rekursives Scannen» (G) (der Inhalt der Unterordner wird gescannt). Den Punkt «Ordnernamen für Anfragen verwenden» (H) lassen Sie hingegen deaktiviert.
Verlassen Sie die Dialogbox, damit XBMC mit den Abfragen aus dem Internet beginnt. Wenn Sie anschliessend die Quelle mit den Filmen doppelklicken, wählen Sie unter «Ansicht» den Punkt Infos (unterer Screenshot, A). Aktivieren Sie ausserdem den Datenbank Modus (B). Nun sehen Sie nicht nur das zugehörige Cover, sondern auch eine Beschreibung des Inhalts. Um weitere Quellen hinzuzufügen, klicken Sie so lange auf die beiden Punkte am Anfang der Auflistung (C), bis Sie wieder bei der Quellenübersicht sind.
vergrößen
VIDEO_TS-Ordner
Diese Ordner werden fast genauso behandelt wie einzelne Filmdateien – der Unterschied liegt einzig in der Konfiguration des «Scraper». Jeder VIDEO_TS-Ordner muss sich in einem Ordner befinden, der den Filmnamen trägt, s. Screen. Sie dürfen also nicht mehr in weitere Unterordner sortiert werden.
Erstellen Sie nun eine neue Quelle und passen Sie danach die Einstellungen folgendermassen an: «Rekursives Scannen» schalten Sie aus und die Optionen «Ordnernamen für Anfragen verwenden» sowie «Automatisierten Scan verwenden» aktivieren Sie.
vergrößen
vergrößen
Serien
Auch Serien gehören in einen eigenen Ordner, damit sie XBMC korrekt behandelt. Den Dateinamen bauen Sie wie folgt auf: Name der Serie, Staffel und Episode. «Fringe S01E03» steht also für die Serie «Fringe», Staffel 1, Episode 3. Nur wenn diese Schreibweise eingehalten wird, kann XBMC die Serieninfos laden.
Erstellen Sie wie beschrieben eine neue Quelle und wählen Sie Ihren Ordner mit den Serien aus. Klicken Sie auf Inhalt festlegen; greifen Sie zu TV-Serien, im Screenshot Buchstabe (A). Als Anlaufstelle für die Serieninfos nehmen Sie TheTVDB.com (B). Bei den Optionen wird nur «Automatisierten Scan verwenden» eingeschaltet (C). Klicken Sie auf Einstellungen (D). Nun definieren Sie unter «Language», dass Sie nach Möglichkeit deutsche Infos möchten (E). Verlassen Sie die Einstellungen.
Aktivieren Sie jetzt den Datenbank Modus, Screen 9 A und wählen Sie als «Ansicht» Fanart B. Dabei handelt es sich um selbst kreierte Bilder von Serienfans; die Oberfläche verwandelt sich in eine Augenweide mit plakativen Menüs.
vergrößen
Rein und raus
Wenn die Quellen einmal definiert sind, lassen sie sich beim Start von XBMC automatisch auf neue Filme prüfen. Klicken Sie dazu im Hauptmenü auf Einstellungen und auf Videos. Greifen Sie in der linken Seitenleiste zu Datenbank, Screen 10 A. Kreuzen Sie die Option «Aktualisiere Datenbank beim Start» B an.
Wenn Sie hingegen Filme von der Platte löschen, wird die Bibliothek nicht automatisch aktualisiert. Die Einträge bleiben bestehen. Erst wenn einer davon angeklickt wird, erscheint eine Fehlermeldung mit der Frage, ob der Eintrag entfernt werden soll. Damit die Bibliothek nach dem Frühlingsputz nicht mit veralteten Einträgen gespickt ist, kann sie manuell bereinigt werden: Klicken Sie dazu auf Ungültige Datenbank-Einträge entfernen C.
Fazit
Das Mediacenter XBMC verlangt eine gewisse Einarbeitungszeit. Doch die zahlt sich aus, denn die Software wird ständig verbessert und beherrscht nahezu alle relevanten Medienformate. Zahlreiche Foren kümmern sich um das Mediacenter und seine Eigenheiten. Besondere Erwähnung verdient das deutschsprachige Forum unter www.xbmc.de. Wer alle Hürden erst einmal genommen hat, wird also mit einer Mediacenter-Software der ersten Güte belohnt.

Anzeige


Anzeige
Social Bookmarks